Einen Wikipedia Eintrag für die eigene Firma erstellen zu lassen, steht bei vielen Unternehmen auf der Kommunikationsagenda: Der Eintrag erscheint bei der Suche nach dem Firmennamen weit oben, speist das Wissens-Panel von Google und vermittelt eine Verlässlichkeit, die keine eigene Website erreicht. Zugleich ist kaum eine Artikelkategorie auf Wikipedia so umkämpft wie Unternehmenseinträge — die Gemeinschaft prüft sie besonders kritisch, weil sie täglich Werbeversuche aussortiert. Dieser Beitrag erklärt, welche Unternehmen die Voraussetzungen erfüllen, wie ein tragfähiger Eintrag entsteht und welche Fehler Firmeneinträge regelmäßig kosten.

Voraussetzung 1: Ihr Unternehmen erfüllt die Relevanzkriterien

Die deutschsprachige Wikipedia arbeitet für Wirtschaftsunternehmen mit harten Schwellenwerten. Relevant ist eine Firma in der Regel, wenn sie mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt:

  • mindestens 1.000 Vollzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeiter,
  • mindestens 100 Millionen Euro Jahresumsatz,
  • mindestens 20 Betriebsstätten oder Filialen,
  • Börsennotierung im regulierten Markt,
  • eine unabhängig belegte marktbeherrschende Stellung oder innovative Vorreiterrolle in einem relevanten Marktsegment.

Die ersten vier Kriterien sind messbar und schnell geklärt. Das fünfte ist der Weg, über den kleinere, aber besondere Unternehmen relevant werden können — und zugleich der häufigste Streitpunkt in Löschdiskussionen. Entscheidend ist: Die Vorreiterrolle muss von unabhängigen Dritten dokumentiert sein, etwa durch Fachmedien, Branchenstudien oder wissenschaftliche Literatur. Die eigene Einschätzung, Pressemitteilungen oder gekaufte Rankings zählen nicht. Die vollständige Logik der Kriterien — auch für Personen — erklärt unser Beitrag zu den Wikipedia Relevanzkriterien.

Erfüllt Ihr Unternehmen keines der Kriterien, ist die ehrliche Antwort: Ein Artikel ist derzeit nicht tragfähig. Ein dennoch angelegter Eintrag landet mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Löschdiskussion — öffentlich einsehbar und bei einer Suche nach dem Firmennamen auffindbar. Das ist das Gegenteil des angestrebten Effekts.

Voraussetzung 2: unabhängige Berichterstattung

Neben den Schwellenwerten braucht ein Artikel Quellen, aus denen sich der Inhalt neutral belegen lässt. Für Unternehmenseinträge heißt das konkret:

  • Redaktionelle Berichterstattung in überregionalen Wirtschafts- und Qualitätsmedien — etwa Handelsblatt, FAZ, Süddeutsche Zeitung, NZZ oder etablierte Fachmedien der Branche.
  • Substanz statt Erwähnung: Artikel, die sich mit dem Unternehmen befassen — Geschichte, Marktposition, Übernahmen, Kontroversen — nicht bloße Namensnennungen in Aufzählungen oder Produktmeldungen.
  • Unabhängigkeit: Advertorials, Pressemitteilungen, Interviews mit der Geschäftsführung und bezahlte Rankings scheiden als Relevanzbelege aus.

Ein brauchbarer Anhaltspunkt für die Selbsteinschätzung: Ließe sich aus dem, was Dritte über Ihr Unternehmen geschrieben haben, ein informativer Artikel schreiben, ohne eine einzige Ihrer eigenen Publikationen zu verwenden? Wenn nein, fehlt die Grundlage.

Erfüllt Ihre Firma die Kriterien?

Fordern Sie eine vertrauliche Prüfung an. Wir beurteilen Relevanz und Quellenlage Ihres Unternehmens und antworten innerhalb von 24 Stunden — ehrlich, auch wenn die Antwort «noch nicht» lautet.

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Die häufigsten Fehler bei Firmeneinträgen

  1. Die Marketingabteilung schreibt den Artikel. Das Ergebnis liest sich wie eine Über-uns-Seite: Missionen, Werte, «führende Lösungen». Genau dieser Ton löst Löschanträge aus. Wikipedia verlangt die nüchterne Darstellung dessen, was unabhängige Quellen berichten — einschließlich kritischer Punkte.
  2. Verdecktes Anlegen über private Konten. Mitarbeiter legen den Artikel «privat» an, ohne Offenlegung. Das verstößt gegen die Pflicht zur Deklaration bezahlten Schreibens, führt zu Sperren und stellt den Artikel unter Generalverdacht. Wie die Offenlegungspflicht funktioniert, erklärt der Beitrag zur Wikipedia Agentur.
  3. Der Artikel als Produktkatalog. Produktlisten, Auszeichnungslisten und Partnerlogos gehören nicht in eine Enzyklopädie. Relevant sind Geschichte, Kerngeschäft, Marktbedeutung und öffentlich dokumentierte Ereignisse.
  4. Zu früh angelegt. Ein Eintrag kurz nach Gründung oder vor Erreichen der Schwellenwerte scheitert fast immer — und die dokumentierte Löschung erschwert den späteren, eigentlich aussichtsreichen Anlauf. Was nach einer Löschung noch möglich ist, beschreibt Wikipedia Artikel gelöscht — was nun?.
  5. Kritik entfernen wollen. Belegte kritische Berichterstattung darf im Artikel stehen. Wiederholtes Entfernen durch firmennahe Konten fällt auf, wird zurückgesetzt und schadet der Glaubwürdigkeit des gesamten Eintrags.

So läuft ein professionelles Projekt ab

1. Vertrauliche Prüfung

Bevor Aufwand entsteht, prüfen wir Relevanz und Quellenlage: Welche Kriterien erfüllt das Unternehmen, welche unabhängige Berichterstattung existiert, wo liegen die Schwachstellen? Das Ergebnis erhalten Sie innerhalb von 24 Stunden — mit einer klaren Empfehlung, auch wenn sie «noch nicht» lautet.

2. Quellendossier und Struktur

Aus den unabhängigen Quellen entsteht das Gerüst des Artikels: Gründung und Geschichte, Geschäftstätigkeit, Kennzahlen, dokumentierte Ereignisse. Jede Aussage erhält einen Einzelnachweis.

3. Redaktionelle Ausarbeitung und Gegenprüfung

Ein unabhängiger Redakteur schreibt den Text im enzyklopädischen Ton; ein zweiter prüft gegen. Belegte Kritik wird nicht weggelassen — ein Artikel, der sie einordnet, ist stabiler als einer, der sie verschweigt.

4. Veröffentlichung mit Offenlegung und Betreuung

Die Veröffentlichung erfolgt transparent deklariert. In den Wochen danach beobachten wir den Artikel, beantworten Rückfragen aus der Gemeinschaft und reagieren auf Bausteine oder Einwände. Was ein solches Projekt kostet und welche Faktoren den Preis bestimmen, lesen Sie unter Wikipedia Eintrag Kosten.

Wenn die Firma (noch) nicht relevant ist: die Alternativen

Für Unternehmen unterhalb der Schwellenwerte gibt es zwei ehrliche Wege. Erstens: Substanz aufbauen und warten — Relevanz entsteht durch Wachstum und durch das, was unabhängige Medien über konkrete Ereignisse berichten. Zweitens: prüfen, ob statt der Firma die Gründerin oder der Gründer als Person die Kriterien erfüllt; Personenrelevanz folgt eigenen Maßstäben und ist in manchen Konstellationen früher erreichbar. Nicht empfehlenswert ist der dritte, oft angebotene Weg: es einfach zu versuchen. Eine öffentlich dokumentierte Löschung kostet mehr, als ein verfrühter Eintrag je bringen könnte.

Häufig gestellte Fragen

Wann bekommt ein Unternehmen einen Wikipedia Eintrag?
Wenn es die Relevanzkriterien der deutschsprachigen Wikipedia erfüllt: mindestens 1.000 Vollzeitmitarbeiter, mindestens 100 Millionen Euro Jahresumsatz, mindestens 20 Betriebsstätten, eine Börsennotierung im regulierten Markt oder eine unabhängig belegte marktbeherrschende beziehungsweise innovative Vorreiterrolle. Zusätzlich braucht es substanzielle Berichterstattung in unabhängigen Medien, aus der sich der Artikel belegen lässt.
Darf eine Firma ihren Wikipedia Eintrag selbst erstellen?
Formal ja, praktisch ist es riskant. Wer im Auftrag oder als Mitarbeiter schreibt, muss dies offenlegen; der Interessenkonflikt bleibt trotzdem bestehen und führt zu besonders kritischer Prüfung. Von Marketingabteilungen verfasste Artikel scheitern regelmäßig am werblichen Ton und an der Quellenauswahl. Ein unabhängiger Redakteur mit Offenlegung ist der stabilere Weg.
Können wir kritische Inhalte aus dem Eintrag heraushalten?
Nein. Ein Wikipedia-Artikel gehört nach der Veröffentlichung der Allgemeinheit; belegte kritische Berichterstattung darf und soll dort eingeordnet werden. Versuche firmennaher Konten, Kritik zu entfernen, werden erkannt und zurückgesetzt und beschädigen die Glaubwürdigkeit des Eintrags. Stabil ist ein Artikel, der Kritisches korrekt und verhältnismäßig darstellt.
Was tun, wenn unsere Firma die Kriterien noch nicht erfüllt?
Warten und Substanz aufbauen — ein verfrühter Artikel endet in einer öffentlich einsehbaren Löschdiskussion und erschwert den späteren Anlauf. Prüfenswert ist außerdem, ob die Gründerin oder der Gründer als Person die Kriterien erfüllt, denn Personenrelevanz folgt eigenen Maßstäben. In der vertraulichen Prüfung sagen wir Ihnen konkret, was fehlt und wann ein Anlauf sinnvoll ist.

Weiterführend: Wikipedia-Eintrag erstellen lassen — unser Vorgehen · Wikipedia Relevanzkriterien · Wikipedia Eintrag Kosten · Wikipedia Agentur wählen